blog

 

 

 

 

Make and see comments here

 

Das erstaunliche, weltverändernde und weltrettende Interview des gefeierten britischen Schauspielers und Radiomoderators Craig Conway aus dem Jahr 2020 mit dem australischen Biologen Jeremy Griffith über dessen Buch FREEDOM: The End Of The Human Condition [FREIHEIT: Das Ende des menschlichen Zustands] – welches das völlig erlösende, erhebende und heilende Verständnis des Kernmysteriums bzw. Problems menschlichen Verhaltens, unseres sogenannten, von „Gut und Böse“ geplagten, menschlichen Zustands präsentiert – und dadurch all den Konflikt und das Leiden im menschlichen Leben an dessen Ursprung beendet und den jetzt dringend benötigten Fahrplan für die vollständige Rehabilitierung und Transformation unseres Lebens und der Welt bietet! Der ehemalige Präsident der Canadian Psychiatric Association, Professor Harry Prosen, hat es als „DAS wichtigste Interview aller Zeiten“ bezeichnet!

Dieses Interview ist das ultimative Werkzeug, um Jeremy Griffiths Arbeit schnell zu verstehen und zu teilen.

(Besucht die Webseite HumanCondition.com, um dieses Video und das gesamte Supportmaterial zu sehen.)

 

 

Es folgt das Transkript von DAS Interview

 

Inhalte

Hintergrund

 

Teil 1.   Die Psychose-Adressierung und -Lösung, echte biologische Erklärung des menschlichen Zustands

 

Teil 2.     Warum wurde uns diese Erklärung von Instinkt und Intellekt nicht offensichtlich in der Schule beigebracht?

 

Teil 3.     Wie haben wir Menschen unser instinktives kooperatives und liebevolles moralisches Gewissen erlangt?

 

Teil 4.   Wie kommt es tatsächlich zur psychologischen Rehabilitation der Menschheit, die das Erreichen des Verständnisses des menschlichen Zustands endlich ermöglicht?

 

Hintergrund

 

An image of Craig Conway in radio studio conducting ‘THE Interview’, alongside an image of Jeremy Griffith in Australia during ‘THE Interview’

 

Über Jeremy Griffith (rechts abgebildet)

Jeremy Griffith ist ein australischer Biologe, der sein Leben dem Erbringen des völlig nachvollziehbaren, biologischen Verständnisses des Dilemmas des menschlichen Zustands gewidmet hat. Der menschliche Zustand ist das zugrundeliegende Problem allen menschlichen Lebens der außerordentlichen Fähigkeit unserer Spezies zu dem, was „Gut“ und „Böse“ genannt worden ist.

Jeremy hat sechs Bücher über den menschlichen Zustand publiziert, unter anderem den Bestseller in Australien und Neuseeland A Species in Denial [Eine Spezies in Verleugnung] (2003) und, seine endgültige Abhandlung, FREEDOM: The End Of The Human Condition (2016).

Seine Arbeit gewann die Unterstützung von herausragenden Wissenschaftlern, wie etwa dem früheren Präsidenten der Canadian Psychiatric Association Professor Harry Prosen, dem Biologen und Gewinner des australischen Templeton-Preises Professor Charles Birch, dem früheren Präsidenten der Primate Society of Great Britain Dr. David Chivers, dem Phyisker und Nobelpreisträger Stephen Hawking, sowie weiteren bedeutenden Denkern, wie etwa Sir Laurens van der Post – siehe www.humancondition.com/#commendations.

Jeremy ist Gründer und Patron des World Transformation Movement (WTM) – siehe www.humancondition.com.

 

Jeremy Griffith presenting THE Interview with Craig Conway

 

Über FREEDOM: The End Of The Human Condition

Front cover of ‘FREEDOM: The End Of The Human Condition’

Jeremys Buch FREEDOM, über das es in diesem Interview geht, präsentiert die versöhnende und psychologisch heilende biologische Erklärung unseres von „Gut und Böse“ geplagten menschlichen Zustands. Auf diese Weise löst es das Kernmysterium menschlichen Verhaltens, wodurch es das Leid und den Konflikt am Ursprung beendet – und den jetzt dringend benötigten Fahrplan für die vollständige Transformation unseres Lebens und der Welt liefert.

FREEDOM wurde 2016 bei der Royal Geographical Society in London mit der Eröffnungsrede von Sir Bob Geldof vorgestellt. Es ist kostenlos verfügbar unter www.humancondition.com, oder kann in Buchhandlungen, einschließlich Amazon, gekauft werden.

 

Über Craig Conway

Craig ist ein international anerkannter englischer Schauspieler, Autor, Produzent und Regisseur, der seit drei Jahrzehnten in Theater, Film und Fernsehen arbeitet. Auf der Bühne hat Craig Projekte für Theatergesellschaften geschaffen, darunter das National Theatre, die Royal Shakespeare Company, das Northern Stage Ensemble (Gründungsmitglied) und das Contact Theatre Manchester. Auf der Leinwand hat er in Filmen mitgespielt, wie etwa Final Score [Endstand] mit Pierce Brosnan, Edison – Ein Leben voller Licht mit Benedict Cumberbatch und The Courier – Tödlicher Auftrag mit Gary Oldman. Zu seinen Fernsehtiteln zählen unter anderem Vera – Ein ganz spezieller Fall, Hautnah – Die Methode Hill, George Gently – Der Unbestechliche, Our Friends In The North [Unsere Freunde im Norden]. Craig ist Mitglied der Writers’ Guild of Great Britain.

In letzter Zeit hat Craig ein Interesse am Radio entwickelt und präsentiert nun sein eigenes Radioprogramm im Nordosten Englands.

Mehr über Craig unter: www.craigconwayofficial.com.

Craig erfuhr Anfang 2019 zum ersten Mal von Jeremys Erklärung des menschlichen Zustands und war so beeindruckt, dass er, um sie zu unterstützen, ein WTM Center im Nordosten Englands gründete; siehe www.WTMNorthEastEngland.com.

 

Craig Conway in radio studio conducting ‘THE Interview’

 

 

Teil 1

 

Die Psychose-adressierende-und-lösende, echte
biologische Erklärung des menschlichen Zustands!

 

Craig Conway: Hallo an alle, die zuhören. Mein Name ist Craig Conway. Während ich in den letzten 30 Jahren von Beruf Schauspieler war, habe ich vor Kurzem mit dem Radio begonnen, wobei ich mit Menschen aus der ganzen Welt spreche. Nun, heute habe ich einen sehr, sehr speziellen Gast aus Australien in der Leitung.

Die Unruhe und das Trauma dieser Coronavirus-Pandemie hat das mittlerweile dringende Bedürfnis in dieser Welt nach einer tieferen und dauerhaften Lösung für all das Chaos und das Leiden im menschlichen Leben nur noch verstärkt. Und diese tiefere, dauerhafte Lösung ist genau das, was uns dieser Biologe, den ich interviewen werde, bieten wird. Er wird dies tun, indem er die zugrundeliegende Ursache all des Leidens erklärt und löst, welche unser von „Gut und Böse“ geplagter, so genannter menschlicher Zustand ist.

Es ist mir also egal, was ihr gerade tut, ihr müsst damit aufhören und euch dieses Interview anhören. Tatsächlich ist es mir egal, was ihr für den Rest eures Lebens tut, wenn ihr könnt, müsst ihr euch das einfach anhören!

Das Interview besteht aus vier Teilen mit einer durchschnittlichen Dauer von je 15 Minuten, was nicht viel ist, wenn man bedenkt, dass wir den gesamten menschlichen Zustand erklären werden!

Es ist daher ein großes Privileg, den australischen Biologen Jeremy Griffith vorzustellen. Er ist der Autor eines Buches mit dem Titel FREEDOM: The End Of The Human Condition, und das ist mein Exemplar, das ich jetzt schon ziemlich lange bei mir habe und überall hin mitnehme, und mittlerweile gibt es Millionen von Menschen überall auf der Welt, die dieses Buch, das Jeremy uns gebracht hat, studieren, lesen und erforschen. [Craig erfuhr Anfang 2019 von Jeremys Erklärung des menschlichen Zustands und war so beeindruckt, dass er, um sie zu unterstützen, ein WTM Center im Nordosten Englands gründete; siehe www.WTMNorthEastEngland.com.]

Also, ich bin hier, um jedem zu erzählen, dass dieses Buch nicht nur mich umgehauen hat, sondern auch Professor Harry Prosen beeindruckt hat, der ein ehemaliger Präsident der Canadian Psychiatric Association ist – er ist also einer der weltweit führenden Psychiater – und er hat gesagt, und ich zitiere, „Ich habe keinen Zweifel, dass diese biologische Erklärung des menschlichen Zustands der heilige Gral der Erkenntnis ist, den wir für die psychologische Rehabilitierung der menschlichen Rasse gesucht haben. Das ist das Buch, auf das wir gewartet haben, es ist das Buch, das die Welt rettet.“ Zitat Ende.

Nun, ich denke, jeder, der zuhört, würde zustimmen, dass „die psychologische Rehabilitierung der menschlichen Rasse“ genau das ist, was die Welt braucht! Also, schnallt euch in eure Sitze, das wird das interessanteste – und aufregendste – Gespräch, das ihr jemals gehört habt.

Also Jeremy, danke, dass du mit uns sprichst. Erzähl uns, wie deine Arbeit „die psychologische Rehabilitierung der menschlichen Rasse“ und das Ende all des Leidens und des Streits bewirkt, und, wie Professor Prosen gesagt hat, „die Welt rettet“?

 

Jeremy Griffith: Vielen Dank, dass du mich in deinem Programm hast, Craig. Die Bemühungen jedes Menschen, der jemals gelebt hat, hatten tatsächlich das Ziel und haben dazu beigetragen, das Verständnis unseres psychologisch beunruhigten menschlichen Zustands zu finden. Wie Professor Prosen gesagt hat, das Verständnis des menschlichen Zustands zu finden, ist „der heilige Gral“ der gesamten menschlichen Reise des bewussten Denkens und Forschens gewesen.

Wir Menschen haben absolut in der Hoffnung, dem Glauben und dem Vertrauen gelebt, dass eines Tages, irgendwo, an irgendeinem Ort, die Bemühungen aller – aber insbesondere der Wissenschaftler – endlich das völlig erlösende, erhebende und heilende Verständnis von uns Menschen hervorbringen. Ich weiß, es muss unverschämt scheinen, zu behaupten, dass dieses Ziel der Ziele endlich erreicht wurde, aber es wurde erreicht. Tatsächlich ist der menschliche Zustand für uns Menschen ein Thema, das derart schwierig zu konfrontieren und zu behandeln ist, dass ich nicht so offen und frei darüber sprechen könnte, wenn es nicht gelöst worden wäre.

 

Craig: Okay Jeremy, löse den menschlichen Zustand für uns, wir sind ganz Ohr!

 

Jeremy: Zuerst einmal, ich bin Biologe, und das ist wichtig, weil ich denke, jeder wird zustimmen, dass wir eine nicht-abstrakte, nicht-mystische, völlig rationale und damit verständliche, wissenschaftliche, biologische Erklärung von uns Menschen brauchen.

Wie sollen wir also den menschlichen Zustand erklären und verstehen, verstehen, warum wir Menschen so sind wie wir sind, so brutal konkurrierend, selbstsüchtig und aggressiv, dass das menschliche Leben so gut wie untertäglich geworden ist. Genau genommen, wie sollen wir so viel Sinn aus unserem zwiespältigen Verhalten machen, dass dessen zugrundeliegende Ursache derart vollständig erklärt und verstanden wird, dass, wie Professor Prosen gesagt hat, die gesamte menschliche Rasse psychologisch rehabilitiert und das Leben aller transformiert wird?

 

Craig: Ja, das wollen wir; den menschlichen Zustand endlich erklären, in Ordnung bringen und heilen – für immer!

 

Jeremy: Genau Craig. Also, um ganz am Anfang zu beginnen, ich weiß, dass jeder, der zuhört, mit dem Glauben lebt – nun, das wurde uns allen in der Schule beigebracht und in jedem Dokumentarfilm gesagt –, dass das konkurrierende, selbstsüchtige und aggressive Verhalten von Menschen daher stammt, dass wir wilde, unsere-Gene-reproduzieren-müssende Instinkte haben, wie andere Tiere auch.

 

An image of two Bighorn rams butting, with one of two Grizzly Bears fighting

 

Ich meine, unsere Unterhaltungen sind voll von diesem Glauben, mit Kommentaren wie: „Wir sind von unseren Genen darauf programmiert, zu versuchen, andere zu dominieren und ein Gewinner im Kampf des Lebens zu sein“; und „Unsere Beschäftigung mit sexueller Eroberung beruht auf unserem Urinstinkt unsere Samen zu säen“; und „Männer verhalten sich abscheulich, weil ihre Körper mit Testosteron durchflutet werden, das den Zwang fördert, ihre Gene zu reproduzieren“; und „Wir wollen ein großes Haus, weil wir von Natur aus territorial sind“; und „Kampf und Krieg ist nur Ausdruck unserer animalischen Natur“; und der geläufigste Kommentar von allen, Craig, lautet: „Es ist einfach die menschliche Natur, selbstsüchtig zu sein“.

 

Craig: Ja, genau das ist es, was ich als den Grund für unsere konkurrierende und aggressive Natur verstanden habe – dass wir brutal konkurrierende, Überleben-des-Stärkeren Instinkte haben, die wir ständig versuchen müssen zurückzuhalten bzw. zu zivilisieren bzw. so gut es geht zu kontrollieren; ich meine, das wurde mir in der Schule beigebracht.

 

Jeremy: Ja, das wurde uns beigebracht, aber lass uns darüber nachdenken – und was ich jetzt sagen werde, ist sehr wichtig, also hoffe ich, dass jeder genau zuhört.

Zweifellos, diese Idee, dass wir wilde konkurrierende und aggressive, unsere-Gene-reproduzieren-müssende Instinkte haben, kann nicht der echte Grund für das konkurrierende und aggressive Verhalten unserer Spezies sein, denn schließlich erkennen Worte, die verwendet werden, um unser menschliches Verhalten zu beschreiben, wie etwa egozentrisch, arrogant, inspiriert, deprimiert, verblendet, pessimistisch, optimistisch, künstlich, hasserfüllt, zynisch, gemein, sadistisch, unmoralisch, brillant, schuldbeladen, böse, psychotisch, neurotisch und entfremdet allesamt die Beteiligung des völlig bewusst denkenden Verstands UNSERER Spezies an. Sie demonstrieren, dass es eine psychologische Dimension in unserem Verhalten gibt; dass wir nicht unter einem, von genetischem Opportunismus getriebenen „animalischen Zustand“, sondern unter dem psychologisch beunruhigten MENSCHLICHEN ZUSTAND leiden.

 

Caveman cartoon depicting the savage instincts stereotype

Unsere Affenvorfahren waren nicht wilde, brutale Barbaren, als die sie schon
so lange dargestellt wurden, sondern unschuldige, liebevolle Behüter, wie
unten von Paläoartist Jay H. Matternes im Science Magazin dargestellt.

 

Außerdem haben wir Menschen kooperative, selbstlose und liebevoll moralische Instinkte, deren Stimme oder Ausdruck wir unser Gewissen nennen – was das völlige Gegenteil konkurrierender, selbstsüchtiger und aggressiver Instinkte ist. Wie Charles Darwin erkannte, als er sagte, „daß, von allen Unterschieden zwischen dem Menschen und den niederen Thieren das moralische Gefühl oder das Gewissen weitaus der bedeutungsvollste ist“ (Die Abstammung des Menschen, 1871; Übers. J. V. Carus, 1871, S. 67 von 356). Natürlich, um diese kooperativen, selbstlosen und liebevollen Instinkte erworben zu haben, mussten unsere fernen Affenvorfahren kooperativ, selbstlos und liebevoll gelebt haben, wie hätten wir sie sonst erwerben können? Unsere Affenvorfahren können keine brutalen, keulenschwingenden, konkurrierenden und aggressiven Wilden gewesen sein, wie uns das beigebracht wurde, stattdessen mussten sie in einem Garten-Eden-ähnlichen Zustand kooperativer, selbstloser und liebend unschuldiger Sanftmut gelebt haben – was, wie ich dir später in diesem Interview erklären möchte, Craig, ein Zustand ist, in dem die Bonobo-Affenart aktuell lebt, und in welchem wir, wie anthropologische Befunde mittlerweile belegen, einmal gelebt haben. Zum Beispiel berichten Anthropologen, wie C. Owen Lovejoy darüber, dass „wie man jetzt sehen kann, unserer speziesdefinierender kooperativer Mutualismus weit über das tiefste Pliozän hinausgeht [was weit über 5,3 Millionen Jahre zurückliegt](‘Reexamining Human Origins in Light of Ardipithecus ramidus’ [„Nochmalige Prüfung der menschlichen Herkunft im Lichte von Ardipithecus ramidus“], Science, 2009, Band 326, Nr. 5949).

 

Large group of Bonobos

Gruppe von Bonobos

 

Science magazine cover featuring Ardi

„Durchbruch des Jahres“: Titelbild der
Dezember 2009 Ausgabe des Science Magazins

Various ardipithecenes standing in natural environment

Matternes Rekonstruktion des 4,4 Millionen
Jahre alten Ardipithecus ramidus in seinem natürlichen Lebensraum

 

Also, zu sagen, dass unser konkurrierendes und aggressives Verhalten von wilden konkurrierenden und aggressiven Instinkten in uns kommt, ist einfach nicht wahr – wie ich in Kürze darauf zurückkommen möchte, ist es nur eine bequeme Ausrede, die wir benutzt haben, während wir auf die Psychose-adressierende-und-lösende, echte Erklärung unseres gegenwärtigen konkurrierenden und aggressiven menschlichen Zustands gewartet haben!

 

Craig: Wow, also das ist eine ziemlich große Aussage Jeremy, ich meine, es ist ein ziemlich wichtiger Punkt, den du hier machst. Du sagst, dass unser konkurrierendes und aggressives Verhalten nicht von unsere-Gene-reproduzieren-müssenden Instinkten stammt, wie bei anderen Tieren, sondern von einem bewussten-Verstand-basierten, psychologisch beunruhigten Zustand, ja?

 

Jeremy: Ja, unser egozentrisches und arrogantes und gemeines und rachsüchtiges und sogar sadistisches Verhalten hat nichts damit zu tun, unsere Gene reproduzieren zu wollen. Das war absurd. Und es ist tatsächlich eine wirklich gute Nachricht, dass unser Verhalten von einem bewussten-Verstand-basierten psychologisch beunruhigten Zustand stammt, weil Psychosen mit Verständnis geheilt werden können. Wenn unser konkurrierendes und aggressives Verhalten davon stammen würde, dass wir wilde Instinkte haben, dann würden wir dieses angeborene, festverdrahtete, ureigene Verhalten niemals los. Es würde bedeuten, dass wir immer nur hoffen könnten, diese vermeintlich brutalen Instinkte zurückzuhalten und zu kontrollieren. Doch da das zwiespältige Verhalten unserer Spezies von einer Psychose stammt, kann dieses zwiespältige Verhalten mit heilendem Verständnis kuriert werden. Also ist das eine sehr gute Nachricht. Tatsächlich eine unglaublich aufregende Nachricht, denn mit Verständnis können wir endlich unseren psychologisch beunruhigten menschlichen Zustand beenden. Es ist das Verständnis von uns selbst, das wir gebraucht haben, um den Schmerz in unserem Gehirn zu heilen und wieder geistig gesund zu werden.

 

Key Unlocking the Mind illustration by Matt Mahurin for ‘Time’, Nov. 29 1993

 

Wie ich bereits gesagt habe, war die Erklärung der „wilden Instinkte“ nur eine bequeme Ausrede, während wir nach der Psychose-adressierenden-und-lösenden echten Erklärung unseres zwiespältigen Verhaltens gesucht haben, welches die Erklärung ist, die ich jetzt vorstellen möchte.

 

Craig: Okay, also was du hier sagst, Jeremy, ist, dass wir die bequeme Ausrede, dass wir eine Art wilder animalischer Instinkte haben, nicht mehr brauchen, weil wir die echte Erklärung unseres bewussten-Verstand-basierten psychologisch beunruhigten menschlichen Zustand haben!

 

Jeremy: Ja, und diese entscheidende, hochwichtige, Psychose-adressierende-und-lösende Erklärung ist tatsächlich sehr offensichtlich.

Wenn wir darüber nachdenken, wenn ein Tier völlig bewusst wird, wie wir Menschen das wurden, dann würde dieser neue selbstverwaltende, verständnisbasierte bewusste Verstand des Tieres sicherlich dessen vorbestehende instinktive Orientierungen zur Welt herausfordern, nicht wahr? Es würde eine Schlacht ausbrechen müssen zwischen dem aufkommenden bewussten Verstand, der von einer Basis des Verständnisses von Ursache und Wirkung aus operiert und den nicht-verstehenden Instinkten, die immer kontrolliert und diktiert haben, wie sich dieses Tier verhält.

 

Craig: Ja, das macht Sinn Jeremy, was ist also passiert, als dieses Tier bewusst wurde und sein ganzes Leben zu einem psychologisch belasteten Durcheinander wurde?

 

Jeremy: Nun, der einfachste Weg, um zu sehen, was passiert ist, ist sich die Zwangslage eines Tieres vorzustellen, dessen Leben immer von seinen Instinkten kontrolliert worden ist und das plötzlich einen bewussten Verstand entwickelt, denn wenn wir das tun, werden wir sehr schnell sehen, wie dieses Tier einen psychologisch beunruhigten konkurrierenden und aggressiven Zustand, wie wir diesen erleiden, entwickeln würde.

Stellt euch einen Storch vor: wir nennen ihn Adam. Jeden Sommer zieht Adam instinktiv mit den anderen Störchen entlang der Küste Afrikas nach Norden, um dort zu brüten, wie dies einige Storcharten tun. Da er keinen bewussten Verstand hat, denkt Adam Storch nicht darüber nach oder hinterfragt sein Verhalten, er folgt einfach dem, was seine Instinkte ihm sagen.

 

Adam Stork Story - 1. Storks flying before Adam became conscious

 

Aber was passiert, wenn wir Adam ein großes Gehirn geben, das zu bewusstem Denken in der Lage ist? Er wird anfangen für sich selbst zu denken, doch viele seiner neuen Ideen werden nicht mit seinen Instinkten übereinstimmen. Zum Beispiel, während er mit den anderen Störchen nach Norden zieht, bemerkt Adam eine Insel voller Apfelbäume. Er trifft die bewusste Entscheidung, von seinem Migrationspfad abzuweichen und die Insel zu erforschen. Es ist sein erstes großes Experiment des Selbstmanagements.

 

Adam Stork Story - 2. Storks flying as Adam becomes conscious
Adam Stork Story - 3. Conscious Adam sees an island

 

The Story of Adam Stork - 4. Disobedient Adam

Drawings by Jeremy Griffith © 1991-2016 Fedmex Pty Ltd

 

Aber als Adams Instinkte erkennen, dass er abgekommen ist, kritisieren sie sein deprogrammiertes Verhalten und versuchen ihn dogmatisch auf den ursprünglichen Kurs zurückzuziehen, nicht wahr! Tatsächlich verurteilen sie ihn schlecht zu sein.

 

Adam Stork Story - 5. Conscious Adam gets criticised

 

Stellt euch die Unruhe vor, die Adam erleben wird: er kann nicht zurückgehen und einfach seinen Instinkten folgen; seine instinktiven Orientierungen zu einem Migrationspfad wurden über tausende von Generationen natürlicher Selektion erworben, doch diese Orientierungen sind keine Verständnisse. Da sein bewusster Verstand Verständnisse durch Experimentieren benötigt, bricht unweigerlich ein Krieg mit seinen Instinkten aus.

Idealerweise würde sich Adams bewusster Verstand zu diesem Zeitpunkt mit seinen Instinkten hinsetzen und erklären, warum er sich ihnen widersetzt. Er würde erklären, dass der Gen-basierte Prozess natürlicher Selektion einer Spezies nur eine instinktive Orientierung zur Welt gibt, wohingegen sein Nerven-basierter, bewusster Verstand, der dazu in der Lage ist, den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung zu verstehen, ein Verständnis der Welt braucht, um zu funktionieren.

 

Adam Stork Story - 6. Conscious Adam’s talk with his instincts

 

Aber Adam hat diese Selbsterkenntnis nicht. Er hat seine Suche nach Wissen gerade erst begonnen. Tatsächlich ist ihm nicht einmal bewusst, was das Problem eigentlich ist. Er hat einfach angefangen sich zu fühlen, als wäre er schlecht, sogar böse.

 

Craig: Okay, also du sagst, es ist ein Krieg zwischen seinem bewussten Verstand und seinen Instinkten ausgebrochen, den er nicht erklären kann, und er hat sich deshalb schlecht gefühlt bzw. dass er irgendwie schlecht ist, bzw. sogar böse. Was ist also dann passiert?

 

Jeremy: Nun, tragischerweise, können wir sehen, dass während der Suche nach Wissen drei Dinge unweigerlich passieren werden. Adam wird verteidigend gegen die besagte Kritik zurückschlagen; er wird verzweifelt nach jeder Form von Bestätigung suchen, die er finden kann, um sich selbst von den negativen Gefühlen zu erleichtern; und er wird versuchen, die Kritik zu verleugnen und aus seinem Verstand auszublenden. Er wurde wütend, egozentrisch und entfremdet – was der psychologisch verstörte Zustand ist, den wir den menschlichen Zustand nennen, denn wir Menschen waren es, die einen bewussten Verstand entwickelten und psychologisch verstört wurden. (Und „verstört“ ist das richtige Wort für unseren Zustand, denn während wir nicht „böse“ oder „schlecht“ waren, sind wir definitiv psychologisch verstört, weil wir an der heldenhaften Suche der Menschheit nach Wissen teilnehmen mussten. „Korrupt“ und „gefallen“ wurden verwendet, um unseren Zustand zu beschreiben, aber beide Wörter haben negative Konnotationen, die, wie wir jetzt anerkennen können, unverdient waren, also ist „verstört“ das bessere Wort.)

Adams Intellekt oder „Ego“ (was nur ein weiteres Wort für den Intellekt ist, da das Concise Oxford Dictionary „Ego“ als „das bewusst denkende Selbst“ (5. Ausgabe, 1964; Übers. WTM Austria, 2019) definiert) wurde also „zentriert“ bzw. fokussiert auf die Notwendigkeit, sich selbst zu rechtfertigen – Adam wurde egozentrisch, selbstsüchtig damit beschäftigt, aggressiv um Möglichkeiten zu kämpfen, um zu beweisen, dass er gut ist und nicht schlecht, seinen Wert zu validieren, einen „Win“ zu bekommen; im Wesentlichen jede positive Verstärkung herauszuholen, die ihm ein wenig Erleichterung von seinen kritisierenden Instinkten bringen würde. Er hat sich unweigerlich mit sich selbst beschäftigt bzw. wurde selbstsüchtig, und aggressiv und konkurrierend.

 

Angry red Adam Stork

 

Unser selbstsüchtiges, konkurrierendes und aggressives Verhalten stammt also nicht von wilden Instinkten, sondern von einem psychologisch verstörten Zustand.

Im Grunde genommen war an psychologischer Verstörung zu leiden der Preis, den wir bewussten Menschen für unsere heldenhafte Suche nach Wissen bezahlen mussten. In den Worten des Liedes Der unmögliche Traum aus dem Musical Der Mann von La Mancha, mussten wir darauf vorbereitet sein, „zur Hölle zu gehen für ein himmlisches Ziel“ (Text von Joe Darion, 1965; Übers. R. Gilbert, 1972). Wir mussten uns selbst verlieren, um uns selbst zu finden; wir mussten wütend, entfremdet und egozentrisch werden, bis wir genügend Wissen gesammelt hatten, um uns selbst zu erklären.

 

Craig: Wow Jeremy, ich meine, das ist faszinierend. Adam Storch – wir Menschen – haben also einen bewussten Verstand entwickelt und haben unweigerlich damit begonnen, unsere Instinkte zu bekriegen, ein verstörender Krieg, der nur enden könnte, wenn wir erklären und verstehen könnten, warum wir uns unseren Instinkten widersetzen mussten, was das Verständnis ist, das du uns gerade geliefert hast, ja?

 

Jeremy: Genau, erinnere dich, Adam Storch wurde verteidigend wütend, egozentrisch und entfremdet, weil er nicht erklären konnte, warum er sich seinen Instinkten widersetzte, da wir jetzt erklären können warum, ist dieses verteidigende Verhalten nicht länger notwendig und kann enden!

Das ist im Grunde alles, was es zu erklären gibt, das ist die biologische Erklärung des menschlichen Zustands, die uns so erklärt, dass sie, wie Professor Prosen gesagt hat, „die psychologische Rehabilitierung der menschlichen Rasse“ bewirkt! Ein Impfstoff gegen dieses schreckliche Virus wäre gut, aber unendlich kostbarer und notwendiger ist ein Impfstoff gegen den menschlichen Zustand, ein Heilmittel dafür, und das wurde gerade vorgestellt.

 

Adam Stork - from living with the trauma of the human condition to living free of it

 

 

Craig: Das ist eine so einfache Geschichte, aber so weitreichend in ihren Auswirkungen – ich meine, es verändert die Welt, weil es wahrhaftig die „die psychologische Rehabilitierung der menschlichen Rasse“ möglich macht! Ich meine, das ist einfach wunderbar.

Okay, ich spreche mit dem australischen Biologen Jeremy Griffith.

 

 

Teil 2

 

Da diese Instinkt-gegen-Intellekt-
Erklärung ziemlich offensichtlich ist,
warum wurde uns das nicht in der Schule beigebracht?

 

Craig: Hallo, ich bin Craig Conway und ich spreche mit dem australischen Biologen Jeremy Griffith darüber, wie wir all die Unruhe und das Trauma in der Welt durch das Erklären und Verstehen des menschlichen Zustands beenden können – durch die Instinkt-gegen-Intellekt-Erklärung, die Jeremy gerade eben in Teil 1 des Interviews gegeben hat.

Ich habe einige Fragen Jeremy. Erstens, es scheint eine offensichtliche Erklärung zu sein, dass, als wir bewusst wurden, eine psychologisch verstörende Schlacht mit unseren diktatorischen Instinkten ausgebrochen sein muss, doch wenn das so offensichtlich ist, warum wurde uns das nicht in der Schule beigebracht? Und zweitens, wie konnten unsere Bonobo-ähnlichen Affenvorfahren kooperativ und liebevoll werden, was, wie du gesagt hast, der Ursprung unseres instinktiven moralischen Gewissens sein muss, von dem Darwin gesagt hat, dass es uns von anderen Tieren unterscheidet? Und meine dritte Frage lautet, wie findet die von Professor Prosen beschriebene „psychologische Rehabilitierung der menschlichen Rasse“ tatsächlich statt; ich meine, werden wir uns alle in Therapie begeben müssen oder was?

Okay, übrigens, möchte ich auch erwähnen, da es einige neue – und ziemlich interessante – Konzepte gibt, über die man nachdenken muss, dass Jeremy gesagt hat, dass er sowohl das Video als auch das Transkript dieses Interviews oben auf der Website verfügbar machen wird, die dieses Verständnis des menschlichen Zustands bewirbt, die Website des World Transformation Movement unter HumanCondition.com. Dieses Interview wird dort als Video verfügbar sein und das Transkript als kleines Gratisbuch, sodass ihr das Interview dort erneut anhören oder lesen könnt, denn wie gesagt, bei diesem riesigen Thema des menschlichen Zustands gibt es ziemlich viel aufzunehmen und nachzudenken.

 

Jeremy: Okay, das sind wirklich gute Fragen Craig.

Um also mit deiner ersten Frage zu beginnen, welche lautet, dass wenn diese Instinkt-gegen-Intellekt-Erklärung so offensichtlich ist, warum wurde uns das nicht in der Schule beigebracht?

Die Antwort lautet, dass obwohl es – bereits im Altertum – erkannt wurde, dass das Auftauchen unseres bewussten Verstands irgendwie die Ursache für unseren „Fall in Ungnade“ war, oder wie auch immer man die Korruption unseres ursprünglichen unschuldigen kooperativen, selbstlosen und liebevollen instinktiven Zustands bezeichnen möchte, die Wissenschaft erst den Unterschied zwischen den Gen-basierten und Nerven-basierten Lernsystemen enthüllen musste – welcher lautet, dass Gene orientieren können, aber Nerven verstehen müssen –, damit wir in der Lage waren, den guten Grund für unseren wütenden, egozentrischen und entfremdeten menschlichen Zustand zu erklären.

Die biblische Geschichte von Adam und Eva im Garten Eden, die Moses vor so langer Zeit um etwa 1.500 v. Chr. geschrieben hat, liefert eine perfekte Beschreibung der psychologisch verstörenden Schlacht, die zwischen unseren Instinkten und unserem bewussten Intellekt entstanden ist. Sie sagt, dass Adam und Eva/​wir Menschen die „Frucht“ (Genesis 3:3) „vom Baum der Erkenntnis“ (Gen. 2:9, 17) genommen haben und „ungehorsam“ (der Begriff, der häufig in Beschreibungen von Gen. 3 verwendet wird) waren. In anderen Worten, wir entwickelten einen bewussten Verstand und freien Willen. Aber diese vorwissenschaftliche Geschichte sagt, dass Adam und Eva „böse“ (Gen. 3:22) Täter der „Sünde“ (Gen. 4:7) wurden, weil sie wütend, egozentrisch und entfremdet wurden und als Resultat sagte Moses, sind sie „verbannt“ worden „aus dem Garten Eden“ (Gen. 3:23) des Zustands kooperativer und liebevoller Unschuld.

 

Painting of Adam and Eve by Lucas Cranach the Elder

Adam und Eva
von Lucas Cranach the Elder (1526)

Lithograph of Adam and Eve being cast out of Paradise, c.1880

Adam und Evas Vertreibung aus dem Paradies, aus Old Testament Stories, veröff. von der Society for Promoting Christian Knowledge, London (ca.1880)

 

Wie du siehst, ohne zu wissen, wie sich natürlich selektierte Instinkte vom Bewusstsein von Ursache und Wirkung unterscheiden, konnte diese Geschichte von Adam und Eva nur zum Schluss kommen, dass der wütende, egozentrische und entfremdete Zustand, der entstand, als wir bewusst wurden, ein schlechter, böser, sündhafter Zustand war, doch diese wissenschaftliche Präsentation sagt, „Nein, nein, diese Geschichte liegt falsch“. Adam und Eva sind tatsächlich nicht nur gut, sondern die Helden der gesamten Geschichte des Lebens auf Erden – weil der bewusste Verstand mit Sicherheit die größte Erfindung der Natur ist, und die Aufgabe zu bekommen, nach Verständnis zu suchen, während einen die gesamte Welt verurteilt, war die härteste und schwierigste aller Aufgaben – denn diese Verurteilung war universell. All die anderen unschuldigen Störche verurteilen die Suche nach Wissen, und da alles in der Natur – der Regen, die Wolken, die Bäume, andere Tiere – mit unserem ursprünglichen, instinktiven Selbst verbunden ist, verbündet sich sozusagen die gesamte Welt gegen Adam und Eva, das heißt uns Menschen – und dennoch waren wir die ganze Zeit über gut und nicht schlecht, doch wir konnten nicht erklären warum, aber jetzt, durch den Verdienst der Wissenschaft, können wir das endlich.

 

Craig: Ja, ich hatte das nicht bemerkt, aber es ist wahr, ich meine Adam und Eva, die die Frucht vom Baum der Erkenntnis nehmen, ist eine Metapher dafür bewusst zu werden, und dann wurden sie aus dem Garten Eden ursprünglicher Unschuld vertrieben, weil es schien, dass sie deshalb schlecht waren, doch jetzt können wir zum Glück erklären, dass sie, wir Menschen, überhaupt nicht schlecht waren; tatsächlich sind wir die Helden der Geschichte des Lebens auf Erden!

 

Jeremy: Das ist richtig, wir können jetzt erklären und verstehen, dass wir bewussten Menschen immense Helden und letztendlich keine Bösewichte sind. Wie entlastend ist das!

 

American journalist and educator, Richard Heinberg giving a public presentation

Richard Heinberg (1950– )

Richard Heinberg’s book ‘Memories and Visions of Paradise’

 

Und in Bezug auf das Erkennen des verstörenden Konflikts zwischen unseren moralischen Instinkten und unserem bewussten Intellekt ist die biblische Geschichte von Adam und Eva bei weitem nicht die einzige des Altertums. In der Tat, wie der amerikanische Forscher Richard Heinberg in seinem Buch Memories & Visions of Paradise [Erinnerungen und Visionen des Paradieses] aus dem Jahr 1990 zusammenfasst, „Jede Religion beginnt mit dem Erkennen, dass das menschliche Bewusstsein von der göttlichen Quelle getrennt wurde, dass ein früheres Gefühl der Einheit...​verloren gegangen ist...​überall in Religion und Mythos gibt es eine Anerkennung, dass wir abgewichen sind von einer ursprünglichen...​Unschuld und nur durch die Auflösung einer tiefgreifenden inneren Uneinigkeit zurückkehren können...​die Ursache des Falls wird unterschiedlich als Ungehorsam beschrieben, wie das Essen einer verbotenen Frucht [vom Baum der Erkenntnis], und als spirituelle Amnesie [Vergessen, Ausblenden, Verleugnung, Entfremdung, das ist unsere Psychose] (S. 81-82 von 282; Übers. WTM Austria 2019). All unsere Religionen und die meisten unserer Mythologien haben also den grundlegenden Konflikt in uns erkannt – dass das Entstehen von „Bewusstsein“ den „Fall“ von der „Unschuld“ bewirkte.

 

Detail of a mosaic by Monnus of Hesiod, 3rd century; in the Rhenish State Museum, Trier, Ger.

Hesiod, aus dem Monnus-Mosaik, ca. 200

Cover of Hesiod’s Theogeny and Works and Days

 

Bereits um 800 v. Chr. schrieb der griechische Dichter Hesiod von der vorbewussten Zeit des kooperativen und liebevollen Lebens unserer Spezies in seinem epischen Gedicht Werke und Tage: „Du aber präge dir ein, daß Götter und sterbliche Menschen vom gleichen Ursprung herstammen. Als goldenes schufen zuerst die Unsterblichen, die im olympischen Haus wohnen, das Geschlecht der redenden Menschen. Diese…​führten ihr Leben wie Götter, hatten leidlosen Sinn und blieben frei von Not und Jammer; nicht drückte sie schlimmes Alter, sie blieben sich immer gleich an Füßen und Händen, lebten heiter in Freuden und frei von jeglichem Übel und starben wie von Schlaf übermannt. Herrlich war ihnen alles, von selbst trug ihnen die kornspendende Erde Frucht in Hülle und Fülle. Sie aber taten ihre Feldarbeit nach Gefallen und gemächlich und waren mit Gütern gesegnet.“ (Werke und Tage; Übers. O. Schönberger, 2004, S. 11-13 von 119). Also ja, sie hatten keinen beunruhigten bewussten Verstand, und sie lebten ein miteinander teilendes, sanftmütiges Leben.

 

Craig: Ja, ich habe von der Idee eines „goldenen Geschlechts“ gehört, aber ich wusste nicht wirklich, woher sie kam. Was du also sagst, Jeremy, ist, dass unsere fernen Vorfahren einen „leidlosen Sinn“ hatten – noch kein menschlicher Zustand!

 

Jeremy: Ja, das ist richtig, und 360 v. Chr. gab Hesiods Landsmann Platon diese sehr ähnliche Beschreibung der vorbewussten Zeit unserer Spezies in Unschuld. Er schrieb: „Damals…​als wir…​den seligen und göttlichen Anblick schauten und mit jener Weihe geweiht wurden, die man als die glückseligste bezeichnen darf. Diese feierten wir, selbst noch ohne Fehl und unberührt von den Übeln, die unser in späterer Zeit warteten, und von fehlerlosen, einfachen, unwandelbaren und beglückenden Gesichten wurden wir geweihte Zeugen, in reinem Glanze selbst rein seiend und unbelastet von dem, was wir heute als Leib bezeichnen und mit uns herumtragen, wie in eine Art Muschel eingeschlossen.“ (Phaidros; Übers. R. Rufener, 1974 in Meisterdialoge, S. 219 von 267).

 

Triptych showing marble bust of Plato and the covers of his books Phaedrus and The Statesman

Platon, ca. 428–348 v. Chr.; Phaidros; Der Staatsmann

 

Platon gab auch diese andere ehrliche Beschreibung unseres unschuldigen „Goldenen Geschlechts/​Zeitalters“ in der vorbewussten Vergangenheit unserer Spezies, indem er von einer Zeit schreibt, „wo den Menschen alles von selbst geworden ist…​so daß keines wild liebte und keines dem anderen zur Nahrung dienen mußte; auch gab es keinen Krieg und überhaupt keine Zwietracht…​Die Gottheit selbst weidete sie und war ihr Aufseher [in anderen Worten, unser ursprüngliches instinktives Selbst war dazu orientiert, auf ideale kooperative, liebevolle Weise zu leben]…​unter seiner Hut gab es aber keine staatlichen Einrichtungen und keinen Eigenbesitz an Weibern und Kindern; denn alle wuchsen aus der Erde hervor zum Leben und hatten keine Erinnerung an das Frühere [in anderen Worten, wir lebten in einem vorbewussten Zustand]…​doch fanden sie reichliche Früchte von den Bäumen und was der Wald sonst alles bot, nicht als Erzeugnisse des Ackerbaus, sondern was die Erde von sich aus hervorbrachte. Ohne Kleider und ohne Betten lebten sie meistens im Freien; denn der Wechsel der Jahreszeiten brachte ihnen keine Beschwerde, hatten sie doch weiche Ruhestätten auf dem Gras, das üppig aus der Erde wuchs.“ (Der Staatsmann, ca. 350 v. Chr.; Übers. R. Rufener, 1965 in Spätdialoge, S. 249-250 von 426).

Die Sache ist die, dass Hesiod und Platon wie Moses zu einer Zeit lebten, als die Wissenschaft noch entwickelt werden musste, so dass sie nicht in der Lage waren, den erlösenden, Instinkte-können-orientieren-aber-nur-Nerven-können-verstehen, guten Grund dafür WARUM wir uns von der „Unschuld“ verabschiedet haben und scheinbar „übel“ und zu schlechten Menschen wurden.

 

Craig: Ja, weil es damals noch keine Wissenschaft gab.

 

Jeremy: Genau, erst in den letzten etwa 150 Jahren hat uns die Wissenschaft A: die Fähigkeit gegeben, zu wissen, dass der Gen-basierte Prozess natürlicher Selektion Spezies Orientierungen zur Welt gibt; und B: das Wissen über unsere Nerven und wie sie sich an Ereignisse erinnern können, was, stark entwickelt, dazu geführt hat, dass unser Verstand den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung ausreichend verstehen kann, um sich dieser Beziehungen bewusst zu werden bzw. sie wahrzunehmen bzw. in Bezug darauf intelligent zu werden. Das ist also erst in den letzten 150 Jahren passiert, aber da die Fossiliensammlung unserer Vorfahrern darauf hindeutet, dass unser großes assoziations-kortextiertes, denkendes, völlig bewusstes Gehirn vor etwa 2 Millionen Jahren aufgetaucht ist, bedeutet das, dass wir für den Großteil dieser 2 Millionen Jahre, die wir bewusst sind, nicht dazu in der Lage waren, zu erklären und zu verstehen, warum wir unser ursprüngliches unschuldiges instinktives Selbst bzw. unsere Seele korrumpiert haben. Und ohne diese erlösende Erklärung war die einzige Möglichkeit, wie wir mit der astronomischen Schuld, „Eden“ zerstört zu haben, umgehen konnten, zu leugnen, dass wir jemals in einem kooperativen und liebevollen unschuldigen Zustand gelebt haben – und genau dabei kam uns die Ausrede, dass wir wilde konkurrierende und aggressive Instinkte wie andere Tiere haben, zur Rettung.

Und, so falsch sie auch war, sie ist eine absolut brillante Ausrede gewesen, denn anstatt dass unsere Instinkte alles-liebend sind, was unseren gegenwärtigen nicht-liebenden Zustand unerträglich verurteilen würde, werden sie als bösartige und brutale unsere-Gene-reproduzieren-müssende Instinkte wie bei anderen Tieren auch angesehen; und, anstatt dass unser bewusster Verstand die Instinkt-widersetzende Ursache unserer Korruption ist, wurde er als der tadellose vermittelnde „Held“ angesehen, der eingreifen und versuchen musste, diese angeblich bösartigen Instinkte in uns zu kontrollieren! Und diejenigen, die es wagten, die Wahrheit unserer kooperativen und liebevollen Vergangenheit zuzugeben, wie Hesiod und Platon, wurden als verblendete Romantiker abgetan, und von der ganzen Idee einer unschuldigen, paradiesischen Vergangenheit wurde gesagt, sie sei nichts weiter als eine Nostalgie für die Sicherheit und mütterliche Wärme der Kindheit, dass sie „nicht einen historischen Zustsand der Menschheit“ „meint“, wie der Jungsche Psychologe Erich Neumann in seinem Buch Ursprungsgeschichte des Bewusstseins sagt (1949, S. 25 von 370).

 

Erich Neumann

Erich Neumann (1905–1960)

Cover of Erich Neumann’s book ‘The Origins and History of Consciousness’

 

 

Craig: Ja, und wir konnten uns der Wahrheit nicht stellen, dass wir Utopie in Dystopie verwandelt hatten, in einen schrecklichen Ort des Konflikts und Leidens, ja?

 

Jeremy: Ja, das ist richtig Craig, und ich möchte darauf hinweisen, dass während die meisten zeitgenössischen Denker an der Ausrede der wilden Instinkte für unser zwiespältiges Verhalten festgehalten haben, es einige gab, die, wie die Denker des Altertums, die grundlegenden Instinkt-gegen-Intellekt-Elemente wahrheitsgemäß erkannt haben, die bei der Erzeugung des menschlichen Zustands involviert waren. Eugène Marais, Paul MacLean und Arthur Koestler sind einige, die mir in den Sinn kommen.

 

A selection of science books based upon the ‘savage instincts’ excuse for human behaviour

Einige der vielen Wissenschaftsbücher, die menschliches Verhalten
anhand der falschen Ausrede der „wilden Instinkte“ erklären.

 

Eugene Marais, Paul Maclean, Arthur Koestler beside covers of their books

Eugène Marais (1871–1936), Paul MacLean (1913–2007) und Arthur Koestler (1905–1983)

 

Doch während alle zeitgenössischen Denker den Vorteil hatten, dass die Wissenschaft den Unterscheid zwischen dem Gen-basierten und dem Nerven-basierten Lernsystem enthüllt hat, und sie daher die Möglichkeit hatten, den menschlichen Zustand wahrheitsgemäß zu erklären, haben diejenigen, die die grundlegenden Instinkt-gegen-Intellekt-Elemente erkannt haben, ihr Denken nicht weit genug gebracht, um den menschlichen Zustand tatsächlich zu erklären. Und diejenigen, die an der falschen Ausrede der wilden Instinkte hängen geblieben sind – was die große Mehrheit der Wissenschaftler war – haben offensichtlich nicht wahrheitsgemäß gedacht, sie konnten daher nicht hoffen, den menschlichen Zustand zu erklären. Aus diesem Grund hat es das wahrheitsgemäße Denken des herausragenden südafrikanischen Philosophen Sir Laurens van der Post gebraucht, und ihm folgend, meines, um endlich die vollständige, wahre Erklärung des menschlichen Zustands zu präsentieren.

 

Craig: Okay. Und Jeremy, ich gehe davon aus, dass man von den zeitgenössischen Denkern, die die Instinkt-gegen-Intellekt-Elemente erkannt haben, die bei der Erzeugung des menschlichen Zustands involviert waren, sowie von jenen, die an der Ausrede der wilden Instinkte gehangen sind, mehr auf der Website des World Transformation Movement unter HumanConditon.com lesen kann?

 

Portrait of Sir Laurens van der Post in army uniform
Cover of Sir Laurens van der Post’s book ‘The Lost World Of The Kalahari’

Das namhafteste Buch von Sir Laurens van der Post (1906–1996) (links) ist Die verlorene Welt der Kalahari
(The Lost World of the Kalahari), welches von den relativ unschuldigen Buschmännern bzw. dem San Volk
aus der Kalahari Wüste handelt. Der Titel kann als ‘‘die verlorene Welt unserer Seele’’ interpretiert werden.

 

 

Jeremy: Ja, das kann man, insbesondere im vierten Video oben auf der Homepage.

Außerdem, wie Sir Laurens van der Post und ich es geschafft haben, den menschlichen Zustand zu adressieren und zu lösen, wird in meinem 2020 erschienenen Buch How Laurens van der Post Saved The World [Wie Laurens van der Post die Welt rettete] beschrieben, welches auch gratis auf dieser Website verfügbar ist. Grundsätzlich wird in diesem Buch erklärt, dass, da alle natürlich unterschiedlich psychologisch verstört sind von ihren unterschiedlichen Begegnungen mit der Schlacht der Menschheit Wissen zu finden, es immer einige Wenige geben würde, die in ihrem Säuglingsalter und ihrer Kindheit das Glück hatten, der Begegnung mit den wütenden, egozentrischen und entfremdeten Effekten der verstörenden Schlacht zu entgehen, und es sind diese wenigen, die sich den menschlichen Zustand ansehen konnten, ohne übermäßig konfrontiert zu werden – und Sir Laurens und ich waren zwei dieser extrem glücklichen verleugnungsfrei denkenden Menschen, was der Grund dafür ist, dass wir in der Lage dazu waren, das Verständnis des menschlichen Zustands zu finden.

Ich sollte auch sagen, dass während die Unterstützung für dieses jetzt absolut dringend benötigte Verständnis des menschlichen Zustands wächst, die Mainstream-Wissenschaft es noch immer nicht erkennt und unterstützt – aber das ist genau, was mit paradigmenwechselnden Durchbrüchen in der Wissenschaft passiert. Als der Physiker Max Planck sagte, „die Wissenschaft schreitet von Beerdigung zu Beerdigung voran“ (Marilyn Fergusons Verweis auf einen Kommentar von Planck in seiner Wissenschaftlichen Autobiografie, 1948; New Age Magazin August 1982, siehe www.wtmsources.com/174; Übers. WTM Austria, 2020), erkannte er, wie sehr jede Generation von Wissenschaftlern an die Denkweise gebunden wird, mit der sie aufgewachsen ist, und wie langsam die Wissenschaft als Ganzes ist, um zu einem neuen Paradigma des Verstehens überzugehen. Und der Dramatiker George Bernard Shaw warnte auch davor, wie schwierig es sei, ein neues Paradigma des Denkens einzuführen – vor allem eines, das es wagt, das historisch unerträglich konfrontierende Tabuthema des menschlichen Zustands zu konfrontieren –, als er sagte, „Alle großen Wahrheiten beginnen als Blasphemien“ (Annajanska, 1919; Übers. WTM Austria, 2019). Also ja, den menschlichen Zustand zu konfrontieren, während jeder in furchtsamer Verleugnung davon gelebt hat, auch wenn er endlich erklärt und sicher zu konfrontieren gemacht wurde, stellt die größte aller „Blasphemien“ dar.

 

Craig: Ja, ich verstehe völlig. Ich meine, aus meiner begrenzten Erfahrung, Jeremy, weiß ich, wie schwierig es ist, Menschen dazu zu bringen, ihre Denkweise zu ändern. Dein grundlegender Punkt ist jedoch, dass die Entdeckung der Funktionsweise von Genen und Nerven durch die Wissenschaft endlich die Befreiung der Menschheit vom Grauen des menschlichen Zustands ermöglicht hat.

 

Jeremy: Ja, das ist die wesentliche Wahrheit: Die Wissenschaft ist der Befreier, der sogenannte „Messias“ oder „Erlöser“ der Menschheit, wie wir es uns immer erhofft hatten!

 

Craig: Und das alles in letzter Sekunde Jeremy, denn ich glaube nicht, dass die Welt mit noch mehr verstörtem Verhalten von uns Menschen zurechtkommen kann – aber natürlich muss immer noch die wissenschaftliche Gemeinschaft an Bord kommen und dieses Verständnis unterstützen.

 

Jeremy: Absolut. Während wir in Verleugnung unseres korrupten, psychologisch verstörten Zustands leben mussten, ist die Wahrheit, dass auf einem Graphen, der die ständig zunehmenden Grade der Verstörung in Menschen zeigt, diese Grade, insbesondere die der Psychose und Entfremdung, in letzter Zeit so rapide gestiegen sind, dass die Linie die ihren Anstieg zeigt, nahezu vertikal ist und sich jetzt die Menge an Verstörung in jeder neuen Generation praktisch verdoppelt! Freedom Essay 55 & 59 auf unserer Website des World Transformation Movements beschreibt diese furchterregende Endspiel-Bedrohung unheilbarer Grade der Psychose. Grundsätzlich, wir hatten das Rennen zwischen Selbstzerstörung und Selbstverständnis praktisch verloren.

 

Graph showing the ever-increasing levels of upset in humans and the threat of terminal psychosis

Das Rennen zwischen Selbstzerstörung und Selbstverständnis

 

In der Tat schrieb der Autor Antoine de Saint-Exupéry zu Beginn des letzten Jahrhunderts, „Um ein Übel zu heilen, muß man es erkennen. Und sicherlich ist uns übel zumute…​Es geht dabei um den Sinn des Menschen, und es ist keinerlei Antwort angeboten; so habe ich den Eindruck, daß wir den schwärzesten Zeiten der Weltgeschichte entgegengehen.“ (Dem Leben einen Sinn geben, veröff. 1965, S. 101, 145 von 163; Übers. O. v. Nostitz, 1957), und diese „Übel[keit] hat im Laufe des Jahrhunderts seitdem sehr stark zugenommen, wir befinden uns jetzt also mitten in den „den schwärzesten Zeiten der Weltgeschichte“ – diese „heilen[de]“ „Erkenn[tnis] des „Sinn[s] des Menschen“ ist also definitiv in letzter Sekunde angekommen – was bedeutet, dass die wissenschaftliche Gemeinschaft sich definitiv, definitiv zusammennehmen und diesen Durchbruch unterstützen muss!

 

Antoine de Saint Exupery

Antoine de Saint Exupéry (1900–1944)

Cover of ‘A Sense of Life’ by Antoine de Saint Exupery

 

Ich werde jetzt deine anderen Fragen beantworten, Craig, aber ich sollte erwähnen, dass das erste der Videos auf der Website des World Transformation Movement vor der Schwierigkeit warnt, die nicht nur Wissenschaftler, sondern nahezu jeder hatte, der versuchte, das historisch unerträglich konfrontierende Thema unseres korrupten Zustands, welches endlich erklärt und sicher zu konfrontieren gemacht wurde, zu konfrontieren und darüber nachzudenken.

 

Craig: Ich bin Craig Conway und ich spreche mit dem australischen Biologen Jeremy Griffith.

 

 

Teil 3

 

Wie haben wir Menschen unser instinktives
kooperatives und liebevolles moralisches
Gewissen erworben?

 

Craig: Wir setzen unser wichtiges Gespräch mit dem australischen Biologen Jeremy Griffith fort, der den menschlichen Zustand erklärt und wie dieses Verständnis all das Trauma und Leiden in der Welt beenden kann – und Mann, brauchen wir das nicht dringend!

In Teil 1 hat Jeremy also erklärt, dass wir bewussten Menschen wütend, egozentrisch und entfremdet wurden, weil wir nicht erklären konnten, warum wir unseren Instinkten trotzen mussten, aber jetzt, da wir das erklären und uns selbst verstehen können, sind diese verteidigenden Methoden zurechtzukommen nicht länger notwendig und die menschliche Rasse ist rehabilitiert.

In Teil 2 hat Jeremy erklärt, dass der Grund, warum wir die unehrliche Ausrede der wilden Instinkte benutzen mussten, war, dass die Wissenschaft verstehen musste, wie Gene und Nerven funktionieren, dass Gene eine Spezies orientieren können, Nerven jedoch Ursache und Wirkung verstehen müssen.

Also Jeremy, meine zweite Frage für diesen 3. Teil unseres Interviews lautet, wie gelang es unseren Bonobo-ähnlichen Affenvorfahren kooperativ und liebevoll zu werden, was, wie du gesagt hast, der Ursprung unseres instinktiven moralischen Gewissens sein muss, von dem Darwin sagte, dass es uns von anderen Tieren unterscheidet?

 

Jeremy: Ja, okay, also wie wir unsere moralischen Instinkte erworben haben, ist eines der größten Mysterien der Biologie gewesen. Der Primatologe Richard Wrangham hat es als „Eine Frage, die seit Darwin ungelöst im Kern der Biologie gelegen ist“ (in einer Rezension von E. O. Wilsons Buch Genesis: The Deep Origin of Societies [Genesis: Der tiefe Ursprung der Gesellschaften] aus 2019; Übers. WTM Austria, 2020) beschrieben. Und Darwin selbst beschrieb es als die „besondere Schwierigkeit“ mit seinem Konzept der natürlichen Selektion (Die Abstammung des Menschen, 1871; Übers. J. V. Carus, 1871, S. 316 von 578). Der Grund für diese „Schwierigkeit“ – und das ist etwas grundlegende Biologie für dich – ist, dass Gene normalerweise nicht für bedingungslos selbstlose, völlig kooperative Merkmale selektieren können, ganz einfach deshalb, weil solche Merkmale dazu neigen, sich selbst zu eliminieren und sich daher normalerweise nicht in einer Spezies etablieren können – ich meine, „Auf jeden Fall, du kannst selbstlos sein und deine Gene für mich opfern, aber ich werde nicht selbstlos sein und meine Gene für dich opfern.“ Der Prozess natürlicher Selektion schreibt vor, dass Selbstlosigkeit angeblich immer von selbstsüchtigem Opportunismus ausgenutzt wird, wie also könnte ein derart selbstsüchtiger Prozess wie natürliche Selektion möglicherweise eine solch liebevolle Selbstlosigkeit in uns erzeugt haben?

Die Antwort ist, dass es in unseren Vorfahren durch Behüten erreicht wurde. Um zu erklären, was so bedeutsam am Behüten einer Mutter ihres Nachwuchs ist, muss ich zunächst darauf hinweisen, dass der mütterliche Instinkt einer Mutter, sich um ihren Nachwuchs zu kümmern, selbstsüchtig ist, weil sie die Reproduktion ihrer Gene sicherstellt, indem sie das Überleben der Nachkommen, die ihre Gene tragen, sicherstellt. Mutterliebe ist also ein selbstsüchtiges Merkmal, was, wie ich gerade gesagt habe, genetische Merkmale normalerweise immer sein müssen, damit sie sich reproduzieren und in die nächste Generation weitergetragen werden. JEDOCH, und das ist von entscheidender Wichtigkeit, aus der Perspektive des Kleinkindes erweckt Mutterliebe den Anschein selbstlos zu sein. Aus der Perspektive des Kleinkindes, wird es bedingungslos selbstlos behandelt – die Mutter gibt ihrem Nachwuchs Nahrung, Wärme, Unterschlupf, Unterstützung und Schutz für scheinbar nichts im Gegenzug dafür. Daraus folgt, dass, wenn das Kleinkind für einen längeren Zeitraum in der Kindheit verbleibt und mit viel scheinbar altruistischer Liebe behandelt wird, es mit dieser selbstlosen Liebe indoktriniert wird und heranwächst, um sich entsprechend zu verhalten. Selbstsüchtige Mutterliebe kann also ein Kleinkind in altruistischer Selbstlosigkeit trainieren. (Freedom Essay 21 auf unserer World Transformation Movement Website und Kapitel 5 in FREEDOM erklären diesen Prozess der „Liebes-Indoktrinierung“, wie wir ihn nennen, genauer.)

 

Craig: Du sagst also, dass das Behüten der Mütter ihrer Kleinkinder in erster Linie genetisch selbstsüchtig ist, weil es die Reproduktion ihrer Gene sicherstellt, es dem Kleinkind aber erscheint, als würde ihm bedingungslos selbstlose Liebe gegeben.

 

Jeremy: Ja, das ist richtig, und wenn wir über Primaten nachdenken, die halb aufrecht sind, weil sie in Bäumen leben und von Ast zu Ast schwingen und deshalb die Arme frei haben, um ein abhängiges Kleinkind zu halten, ist es klar, dass es ihnen besonders erleichtert wird, die Mutter-Kleinkind-Beziehung zu unterstützen und zu verlängern, und somit dieses behütete, liebevolle, kooperative Verhalten zu entwickeln.

 

Bonobo mother carrying infant
Bonobo mother carrying infant

Bonobo-Mütter halten ihre Kleinkinder

 

Und tatsächlich sind Bonobos, die Affenspezies, die südlich des Kongo in Afrika lebt, außerordentlich matriarchalisch bzw. auf die weibliche Rolle fokussiert, und außerordentlich behütend. Ihr könnt Fotos online finden – und ich werde einige davon in das Buch mit dem Transkript sowie dem Video des Interviews inkludieren –, die zeigen, wie behütend Bonobos sind; sie zeigen Bonobo-Mütter, wie sie ihren Kleinkindern ihre hingebungsvolle und ungeteilte Aufmerksamkeit schenken!

 

Image of adult bonobo touching juvenile bonobo on chin
Image of the bonobo Lana balancing a juvenile bonobo on her feet

 

 

Image of an adult bonobo holding hands and ‘dancing’ with a juvenile bonobo
Male bonobo and infant (San Diego Zoo)

Frans Lanting/Mint Images/Getty Images; San Diego Zoo (bottom right)

Bonobos beim Behüten ihrer Kleinkinder

 

Und als Ergebnis all dieses Behütens sind Bonobos die kooperativsten und liebevollsten Primaten, was durch diese absolut erstaunlichen Zitate belegt wird, die ich dir einfach vorlesen muss.

Die Bonobo-Zoowärterin Barbara Bell schreibt: „Erwachsene Bonobos zeigen ein enormes Mitgefühl für einander…​Zum Beispiel, Kitty, das älteste Weibchen, ist völlig blind und schwerhörig. Manchmal verirrt sie sich und ist verwirrt. Sie holen sie dann einfach ab und bringen sie dahin, wo sie hin muss.“ (‘The Bonobo: “Newest” apes are teaching us about ourselves’ [„Der Bonobo: ‚Neueste‘ Affen lehren uns über uns selbst“], Chicago Tribune, 11. Jun. 1998; Übers. WTM Austria 2019).

Die Primatologin Sue Savage-Rumbaugh sagt: „Das Leben der Bonobos ist auf den Nachwuchs zentriert. Im Gegensatz zu dem, was bei Schimpansen passiert, helfen alle Mitglieder der sozialen Gruppe von Bonobos bei der Kleinkindpflege und teilen ihre Nahrung mit Kleinkindern. Wenn du ein kleines Bonobo-Kind bist, kannst du nichts falsch machen…Bonobo-Weibchen und ihre Kleinkinder bilden den Kern der Gruppe.“ (Sue Savage-Rumbaugh und Roger Lewin, Kanzi: The Ape at the Brink of the Human Mind [Kanzi: Der Affe am Rande des menschlichen Verstands], 1994, S. 108 von 299; Übers. WTM Austria, 2019).

Ein Filmemacher der französischen Dokumentation Bonobos sagt: „Sie sind sicherlich die faszinierendsten Tiere auf dem Planeten. Sie sind die Tiere, die dem Menschen am ähnlichsten sind [indem sie fast 99 Prozent unseres Erbguts teilen]...​Einmnal wurde ich am Kopf von einem Ast getroffen, auf dem ein Bonobo war. Ich setzte mich hin und der Bonobo bemerkte, dass ich mich in einer schwierigen Situation befand und kam und nahm mich bei der Hand und strich mein Haar zurück, wie sie das so tun. Sie leben also von Mitgefühl, und das ist wirklich interessant zu erleben.“ (kurzer Begleitfilm zu der französischen Dokumentation Bonobos von 2011, Übers. WTM Austria 2019).

Und Bonobo-Forscherin Vanessa Woods gibt uns diesen Bericht aus erster Hand über die grenzenlose Fähigkeit von Bonobos zu Liebe, aus ihrem Studium der Bonobos in ihrem Zuhause im Kongobecken: „Die Liebe von Bonobos ist wie ein Laserstrahl. Sie bleiben stehen. Sie starren dich an, als hätten sie ihr ganzes Leben lang darauf gewartet, dass du in ihren Dschungel kommst. Und dann lieben sie dich mit solch hilfloser Hingabe, dass du sie zurückliebst. Du musst sie einfach zurücklieben“ (‚A moment that changed me – my husband fell in love with a bonobo‘[„Ein Moment, der mich verändert hat – mein Mann hat sich in einen Bonobo verliebt“], The Guardian, 1. Oktober 2015; Übers. WTM Austria 2019).

 

Craig: Wow Jeremy, ich meine, das sind erstaunliche Zitate, wirklich!

 

Jeremy: Ja, das sind wirklich erstaunliche Zitate – und Bonobos sind unsere nächsten lebenden Verwandten, wie erwähnt, teilen sie 99% unserer DNA. Also können wir sehen, dass Bonobos den perfekten Beweis dafür liefern, wie unsere fernen Affenvorfahren kooperativ und liebevoll wurden.

Ich habe ein anderes Bild von einer Gruppe von Bonobos, die in einer grasbewachsenen Lichtung ruhen, das ich auch im Transkriptbüchlein inkludieren werde, und es entspricht perfekt der bereits zuvor erwähnten Beschreibung, die Platon darüber gegeben hat, wie das Leben für Menschen damals im „Goldenem Zeitalter“ des behüteten Zusammenseins gewesen ist. Platon sagte: „Ohne Kleider und ohne Betten lebten sie meistens im Freien; denn der Wechsel der Jahreszeiten brachte ihnen keine Beschwerde, hatten sie doch weiche Ruhestätten auf dem Gras, das üppig aus der Erde wuchs.“ Wir haben eindeutig eine perfekte instinktive Erinnerung (wenn wir uns nicht dazu entscheiden, sie zu verleugnen), wie das Leben vor dem „Sündenfall“ war, da Platon nichts von der Existenz von Bonobos wusste und dennoch genau wusste, wie unser Bonobo-ähnliches Leben vor dem „Sündenfall“ gewesen ist.

 

A group of bonobos at the Lola Ya Bonobo Sanctuary, Democratic Republic of Congo

Bonobos ruhen in einer grasbewachsenen Lichtung

 

Nun dieses Zitat ist etwas lang, aber es ist so eine wunderbare intuitive Erinnerung an die Bonobo-ähnliche Zeit unserer Spezies, in einem Zustand frei von Entfremdung, vollkommen einfühlsam und alles liebend, dass ich es einfach vorlesen muss. Es ist vom großen russischen Schriftsteller Fjodor Dostojewski. Er schrieb über eine Zeit, in der: „Der Rasen leuchtete von bunten, duftenden Blumen. Kleine Vögel flogen scharenweise in der Luft umher, setzten sich mir ohne Furcht auf die Schultern und auf die Hände und schlugen mich fröhlich mit ihren allerliebsten, flatternden Flügelchen. Und endlich erblickte und erkannte ich die Menschen dieser glücklichen Erde. Sie kamen von selbst zu mir, umringten mich und küssten mich. Diese Kinder der Sonne, diese Kinder ihrer Sonne, oh wie schön waren sie! Niemals hatte ich auf unserer Erde bei Menschen solche Schönheit gesehen…​Ihre Gesichter strahlten…​aus den Stimmen und Worten der Menschen klang eine kindliche Freude heraus…​Das war nicht die durch den Sündenfall entweihte Erde; auf ihr lebten sündlose Menschen…​Sie wünschten nichts und waren in ihrer Seele ruhig; sie strebten nicht nach Erkenntnis des Lebens in der Weise, wie wir es tun; denn ihr Leben hatte bereits einen vollen Inhalt. Aber ihr Wissen war tiefer und größer als unsere Wissenschaft…​aber ihr Wissen konnte ich nicht begreifen. Sie wiesen auf ihre Bäume, und ich vermochte den Grad von Liebe, mit dem sie sie betrachteten, nicht zu begreifen: Sie redeten von ihnen, als wären es ihnen ähnliche Wesen…und ich bin überzeugt, dass auch diese die Sprache der Menschen verstanden. Von der gleichen Art war auch ihr Verhältnis zur übrigen Natur, zu den Tieren, die friedlich mit ihnen zusammenlebten, sie nicht anfielen und sie liebten, da sie von der Liebe der Menschen überwunden waren…​Es gab unter ihnen keine Streitigkeiten und keine Eifersucht…​da alle eine einzige Familie bildeten“ (Der Traum eines lächerlichen Menschen, 1877; Übers. H. Röhl, 2017, S. 16-17 von 132).

Diese Beschreibung davon, „von der Liebe der Menschen überwunden“ zu werden, ist so wie die zuvor gegebene Beschreibung der Bonobo-Forscherin Vanessa Woods, als sie sagte, Bonobos „lieben…​dich mit solch hilfloser Hingabe, dass du sie zurückliebst. Du musst sie einfach zurücklieben“. Wieder sehen wir, wie zutreffend unsere Erinnerung daran ist, wenn wir sie nicht verleugnen, wie das Leben vor dem „Sündenfall“ war.

 

Fyodor Dostoevsky

Fjodor Dostojewski (1821–1881)

Cover of Dostoevsky’s book The Dream of a Ridiculous Man

 

 

Craig: Dieses Zitat ist so wunderbar, es ist einfach unglaublich, danke Jeremy, ich bin froh, dass du es vorgelesen hast. Diese Erklärung des Behütens für unsere moralischen Instinkte scheint ziemlich offensichtlich und wird durch diese Zitate über das Bonobo-Verhalten und auch durch die Fotos der Bonobos belegt, also warum habe ich bis jetzt nichts davon gehört?

 

Jeremy: Nun, genau wie die offensichtliche Wahrheit, dass unsere Spezies einst kooperativ und liebevoll gelebt hat, war diese Wahrheit, dass wir unsere moralischen Instinkte durch Behüten erworben haben, eine unerträgliche Wahrheit, während wir nicht erklären konnten, warum wir Menschen wütend, egozentrisch und entfremdet wurden und als Resultat daraus, die Fähigkeit verloren haben, unseren Nachwuchs angemessen mit bedingungsloser Selbstlosigkeit oder Liebe zu behüten. Die Wahrheit der paradiesischen alles-liebenden und vollkommen einfühlsamen unschuldigen Vergangenheit unserer Spezies, sowie die Wahrheit, dass es Behüten war, das uns zu Menschen gemacht hat, waren beides Wahrheiten, die unmöglich zu akzeptieren waren, während wir unseren gegenwärtigen, immens korrupten menschlichen Zustand nicht wahrheitsgemäß erklären konnten, erklären warum unsere Spezies so korrupt wurde und die Fähigkeit verloren hat, unseren Nachwuchs in vollem Maße zu behüten. Wie beobachtet wurde, „Eltern würden eher zugeben, ein Axtmörder zu sein, als eine schlechte Mutter oder ein schlechter Vater“! (John Marsden, Sunday Life, The Sun-Herald, 7. Juli 2002; Übers. WTM Austria, 2019).

 

John Fiske photo

John Fiske (1842–1901)

John Fiske’s book

 

Tatsächlich wurde diese ziemlich offensichtliche Erklärung des Behütens für unser moralisches Gewissen zuerst durch den amerikanischen Philosophen John Fiske in seinem Buch Outlines of Cosmic Philosophy [Umrisse der kosmischen Philosophie], das 1874 veröffentlicht wurde, hervorgebracht, nur wenige Jahre nachdem Darwin seine Theorie der natürlichen Selektion veröffentlichte. Und zu dieser Zeit, wurde die Erklärung von Fiske tatsächlich als, und ich zitiere, „weitaus wichtiger“ als „Darwins Prinzip der natürlichen Selektion“ erkannt und als „eine der schönsten Beiträge, die je zur Evolution des Menschen gemacht wurden“ (Dorothy Ross, Stanley Hall G.: The Psychologist as Prophet [Der Psychologe als Prophet], 1972, Seite 262 von 482; Übers. WTM Austria, 2020). Und Darwin selbst ging so weit, Fiske zu schreiben und zu sagen, „Ich habe noch nie in meinem Leben einen so klaren Erklärer (und somit Denker) gelesen wie Sie es sind“ (1874; Life and Letters of Charles Darwin [Leben und Briefe von Charles Darwin], Vol. 2; Übers. WTM Austria, 2020). Aber nochmals, bevor wir unseren Verlust der Fähigkeit, unseren Nachwuchs angemessen zu behüten, nicht erklären konnten, wurde diese „weitaus wichtigere“ Erkenntnis als „Darwins Prinzip der natürlichen Selektion“ sterben gelassen und sie verschwand schließlich aus dem biologischen Diskurs!

Ich möchte darauf hinweisen, dass Darwins Erklärung der natürlichen Selektion für die Artenvielfalt, Fiskes und meine Erklärung des Behütens für unsere moralischen Instinkte, die Instinkt-gegen-Intellekt-Erklärung, die ich für den menschlichen Zustand gegeben habe und die Erklärung, die ich in Kapitel 7 von FREEDOM darüber gebe, wie wir Menschen völlig bewusst wurden, während andere Spezies es nicht wurden, alles ziemlich offensichtliche, unkomplizierte, einfache Erklärungen sind, die die Beobachtung des Biologen Allan Savory bestätigen, dass „Wann immer es ein großes unlösbares Problem für die Menschheit gab, die Antwort, wenn sie endlich gefunden wurde, immer sehr einfach war“ (Holistic Resource Management [Holistisches Ressourcenmanagement], 1988, 1. Auflage, S. 3, Übers. WTM Austria, 2020). Siehe Absatz 240 von FREEDOM.

 

Craig: Danke Jeremy. Es ist wirklich erstaunlich zu erfahren, wie die Wissenschaft das kooperative und liebevolle Erbe unserer Spezies und den behüteten Ursprung dieser kooperativen und liebevollen Seele verleugnet hat. Aber das alles macht wirklich Sinn – ich meine, wir brauchten auf jeden Fall die Verteidigung für unseren korrupten Zustand, bevor wir uns der Wahrheit darüber stellen konnten.

Ich spreche mit dem australischen Biologen Jeremy Griffith.

 

 

Teil 4

 

Wie kommt es tatsächlich zur psychologischen
Rehabilitierung der menschlichen Rasse, die durch die Ankunft des Verständnisses des menschlichen Zustands
endlich möglich ist?

 

Craig: Hallo und willkommen zurück zu Teil 4 des Interviews. Ich bin Craig Conway und ich bin hier mit Jeremy Griffith, dem Biologen, der gerade erklärt hat, wie Menschen unsere moralischen Instinkte erlangt haben. Das ist ein absolut bemerkenswertes Interview!

Also weiter, Jeremy, was ist mit meiner dritten Frage für diesen 4. und letzten Teil des Interviews, wie findet „die psychologische Rehabilitierung der menschlichen Rasse“, die uns dieses Verständnis gibt, tatsächlich statt; müssen wir uns alle in Therapie begeben oder wie?

 

Jeremy: Nun, was diese echte – und tatsächlich sehr offensichtliche – Instinkt-gegen-Intellekt-Erklärung des menschlichen Zustands grundsätzlich macht, ist, die „Last der Schuld“ von der menschlichen Rasse zu nehmen. Sie beweist, dass wir Menschen zu guter Letzt gut und nicht böse sind. Während wir alle unweigerlich unterschiedlich wütend, egozentrisch und entfremdet sind von unseren unterschiedlichen Begegnungen mit dem heldenhaften Kampf der Menschheit Wissen zu finden, letztendlich Selbsterkenntnis, Verständnis für unseren korrupten Zustand, können wir jetzt wissen, dass jeder Mensch grundlegend gut ist. Und diese Fähigkeit, zu verstehen und zu wissen, dass es einen guten Grund dafür gab, warum die menschliche Rasse psychologisch verstört wurde, ist das entscheidende, befreiende Verständnis, nach dem wir gesucht haben, seit wir vor etwa 2 Millionen Jahren bewusst wurden und unser korrupter Zustand auftauchte.

Das ist die entscheidende Erleichterung für unseren Verstand – endlich in der Lage zu sein zu verstehen, dass wir gut und nicht böse sind, was uns die größte psychologische Befreiung von allen bringt. Der Psychoanalytiker Carl Gustav Jung sagte, „Ganzheit des Menschen hängt von der Fähigkeit ab, uns unseren eigenen Schatten zu eigen zu machen“, und da es uns jetzt möglich ist, uns den „Schatten“ des 2-Millionen-Jahre-korrupten Zustands unserer Spezies „zu eigen zu machen“, ist die menschliche Rasse endlich in der Lage „Ganzheit“ zu erlangen. Das Wort „Psychose“ bedeutet wörtlich „Seelenkrankheit“ und „Psychiatrie“ bedeutet wörtlich „Seelenheilung“ (abgeleitet von Psyche, was „Seele“ bedeutet, aus osis was „abnormale Verfassung oder Zustand“ bedeutet und iatreia was „Heilung“ bedeutet – siehe Absätze 63 und 72 in FREEDOM), aber wir haben es nie geschafft, „unsere Seele zu heilen“, unserem ursprünglichen instinktiven Selbst bzw. unserer Seele zu erklären, dass wir, unser völlig bewusst denkendes Selbst, gut und nicht böse sind und auf diese Weise unser gespaltenes Selbst zu versöhnen und zu heilen – aber jetzt können wir es endlich.

 

Craig: Nun, es gibt einen Spruch, der sagt, ,,die Wahrheit wird euch frei machen“, also was du dann sagst Jeremy, ist, dass die Wahrheit unserer grundlegenden Güte die Wahrheit ist, die wir brauchten, um uns vom menschlichen Zustand zu befreien.

 

Jeremy: Genau, und während das die wichtigste Befreiung ist, die unser Verstand brauchte, ist es offensichtlich, dass wir, je mehr wir dieses befreiende Verständnis verdauen, umso mehr heilende Befreiung für jeden Aspekt unseres verstörten Zustands bekommen – und für 2 Millionen Jahre ertragen zu müssen, zu Unrecht als böse verurteilt zu werden, bedeutet, dass es sehr viel Verstörung zu heilen gibt.

Um zu verstehen, wie viel Verstörung jetzt in uns Menschen herrscht, stellt euch vor, nur einen Tag mit der Ungerechtigkeit zu leben, als schlecht, ja sogar böse verurteilt zu werden, wenn ihr intuitiv gewusst habt, aber nicht dazu in der Lage wart zu erklären, dass ihr tatsächlich das genaue Gegenteil von böse seid, nämlich wahrhaft wundervoll, gut und bedeutungsvoll – tatsächlich nicht nur gut, sondern der Held der gesamten Geschichte des Lebens auf Erden! Ihr wärt bis ins Mark verletzt und wütend, nicht wahr? Rechnet diese Erfahrung also auf auf 2 Millionen Jahre hoch und ihr könnt zu schätzen beginnen, wie viel vulkanische Frustration und Wut jetzt in uns Menschen existieren muss! Während wir gelernt haben, das gewaltige Ausmaß an Verstörung in uns deutlich zurückzuhalten und zu verbergen – zu „zivilisieren“, wie wir es bezeichnen – müssen wir alle unter der Oberfläche vor Wut kochen, und manchmal, wenn unsere Zurückhaltung keinen Weg mehr findet ihr Einhalt zu gebieten, muss diese Wut sich Ausdruck verleihen – daher unsere Fähigkeit zu schockierenden Handlungen von Grausamkeit, Sadismus, Hass, Mord und Krieg.

 

A collage showing examples of the volcanic anger in humans: Nazi rally; skulls from Pol Pot regime; Ku Klux Klan; wartime execution

 

Kein Wunder also, dass wir eine derart ausweichende, Verleugnung-praktizierende, lügende, jegliche Kritik vermeidende, eskapistische, entfremdete, oberflächliche und künstliche, gierige, egozentrische, nach Macht, Ruhm, Reichtum und Ehre strebende Existenz geführt haben. Wir mussten uns mit materiellem Reichtum ersticken, während es uns an spirituellem Reichtum des mitfühlenden Verständnisses von uns selbst mangelte.

 

Images showing: a winning sports team; a pile of money; a luxury sports car; and a lavish house

 

Es gibt also eine enorme Menge an Verstörung in uns Menschen, die es nachzulassen und zu heilen gilt, und das wird offensichtlich Zeit brauchen. In der Tat müssen wir damit rechnen, dass es einige Generationen dauern wird, bis sich alles vollständig verbessert hat. Aber die gute Nachricht, und das ist sehr wichtig, ist, dass obwohl es einige Generationen dauern wird, um all die Verstörung in uns Menschen zu heilen, kann jeder sofort frei von seiner Verstörung leben. Der Grund, warum wir frei davon leben können, ist, dass während es uns an der echten Verteidigung und Bestärkung des Verständnisses unseres verstörten Zustands mangelte, wir unbedingt die künstlichen Verteidigungen und Bestärkungen davon brauchten, jegliche Kritik an unserem korrupten Zustand zu attackieren, zu verleugnen und auszublenden, und jegliche Bestärkung zu finden, die wir finden konnten – Wut, Entfremdung und Egozentrizität sind, was uns durchhalten lies – aber jetzt, da wir die echte Verteidigung und Bestärkung unserer grundlegenden Güte haben, sind all diese künstlichen Verteidigungen und Bestärkungen obsolet, sie werden nicht länger benötigt. In der Tat, die alten künstlichen Verteidigungen der Vergeltung, der Verleugnung, und dem Streben nach Macht, Ruhm, Reichtum und Ehre weiter zu nutzen, wenn unsere grundlegende Güte bewiesen wurde, ist nicht nur eindeutig sinnlos, sondern auch unnötig zerstörerisch für uns selbst, jeden um uns herum und unseren Planeten. Diese Lebensweise ist jetzt völlig obsolet, zu einem Ende gebracht.

 

Craig: Das macht total Sinn; Ich meine, unsere künstlichen Wege, uns selbst zu bestärken werden obsolet, durch die echte Bestärkung von uns selbst. Eine Art zu leben endet, eine neue beginnt, frei vom menschlichen Zustand – puh, Gott sei Dank dafür!!

 

Jeremy: Das stimmt! Es gibt nur noch eine Sache, die ich erklären sollte, und zwar, dass Sozialismus, die New-Age-Bewegung, die politisch korrekte Bewegung, und alle anderen idealistischen Bewegungen, genau genommen alles Fehlstarts in eine Welt frei vom menschlichen Zustand waren, weil die verstörende Schlacht Wissen zu finden, letztendlich Selbsterkenntnis, Verständnis dafür, warum wir gut und nicht böse sind, erst vollendet werden musste. Tatsächlich machte der Versuch, unserer verstörenden Suche nach Wissen, kooperativen und liebevollen Idealismus aufzuzwingen, es extrem schwierig damit fortzufahren, während wir diese verstörende Schlacht noch fortsetzen mussten. Diese Bewegungen waren pseudo-idealistische Bewegungen, die die Suche nach Wissen erstickt und unterdrückt haben; Sie waren regressiv und nicht progressiv, wie sie sich selbst vorgetäuscht haben zu sein. Es waren tatsächlich die Rechten, die die verstörende Schlacht der Suche nach Wissen unterstützt haben, die die moralische Überlegenheit innehatten und nicht die pseudo-idealistischen Linken.

Aber diese Situation ändert sich komplett, jetzt da wir endlich das erlösende Verständnis für unseren Zustand gefunden haben, nach dem unsere verstörende Schlacht gesucht hat. Plötzlich ist es nicht länger unterdrückend und destruktiv pseudo-idealistisch, die korrumpierende Suche nach Wissen aufzugeben und die Unterstützung des kooperativen und liebevollen Idealismus aufzunehmen, es ist jetzt die einzige gerechtfertigte Art zu leben! Plötzlich gibt es keinen Grund mehr für die Rechten in der Politik und jeder wird sozusagen zu einem Linken. Tatsächlich endet das gesamte Geschäft der Politik grundsätzlich mit dem Finden des Verständnisses des menschlichen Zustands, und die gesamte menschliche Rasse bricht auf, als ein vereinter Organismus, der den wütenden, egozentrischen und entfremdeten Teil von uns selbst loslässt und kooperativen, selbstlosen und liebevollen Idealismus unterstützt. (Viel mehr über Pseudo-Idealismus wird in Video/F. Essay 14 auf der Website des World Transformation Movement erklärt.)

 

Image of clashing fists with arrow to cleanching hands

 

 

Craig: Ja, das Ende der polarisierenden Welt der Politik wird sicherlich eine der größten Befreiungen sein, die man sich vorstellen kann!

 

Jeremy: Auf jeden Fall Craig. Es wird eine kolossale Befreiung sein.

So verändert sich plötzlich die ganze Welt sofort von einem psychologisch umkämpften, wütenden, egozentrischen und entfremdeten Zustand zu einer Welt, in der jeder beschlossen hat, sein noch zu heilendes konkurrierendes und aggressives Verhalten aufzugeben und die Unterstützung einer kooperativen und liebevollen Existenz aufzunehmen.

Also, das Finden des Verständnisses des menschlichen Zustands bringt ein Ende der unsicheren, verstörten, von-künstlicher-Bestärkung-abhängig wütenden, egozentrischen und entfremdeten Welt. Jetzt entsteht eine neue kooperative, selbstlose und liebevolle Welt, in der der menschliche Zustand gelöst ist. Licht strömt in die dunkle höhlenartige Welt der Verleugnung, in der wir gelebt haben, und es wird alles wie das Aufwachen aus einem Albtraum sein!

 

Computer graphic of people greeting the rising sun with outstretched arms

 

Grundsätzlich können wir mit der Fähigkeit, uns selbst zu verstehen, zu unserem ursprünglichen kooperativen und liebevollen Zustand zurückkehren, diesmal jedoch völlig bewusst. Wie der Dichter T. S. Eliot vorausahnte, „Wir lassen niemals vom Entdecken / Und am Ende allen Entdeckens / Langen wir, wo wir losliefen, an / Und kennen den Ort zum ersten Mal.“ (Vier Quartette, 1942; Übers. N. Hummelt, 2015).

 

Craig: Wow Jeremy, das war absolut unglaublich, erleuchtend, packend, und ich kann dir wirklich nicht genug danken, dass du dein Wissen und deine Erkenntnisse mit uns geteilt hast. Wenn man nur darüber nachdenkt, dass die menschliche Rasse in letzter Sekunde transformiert wird, das ist, denke ich, was sich jeder da draußen, der hier zugehört hat, erhoffen wird.

Und nochmal, dein Buch FREEDOM ist auf HumanCondition.com für jeden verfügbar – und außerdem ist es dort auch kostenlos. Also bitte geht diesem Interview weiter nach, hört es euch wieder und wieder an, versucht euer Bestes, um zu verstehen, was Jeremy hier sagt, geht ins Internet, holt euch die Informationen und lernt sie weiter, und lasst uns hoffen, dass wir alle einen neuen Wandel der Welt genießen und wahrnehmen können, für alle von uns.

Jeremy, es war wunderbar mit dir zu sprechen. Vielen Dank, dass du bei uns warst und wir werden hoffentlich bald wieder mit dir sprechen – aber noch besser wäre, dass wir sehr bald deine Arbeit im Leben jedes Einzelnen auf diesem Planeten sehen werden.

Ich bin Craig Conway, das war mein Interview mit Jeremy Griffith.

 

ENDE DES INTERVIEWS

 

Genevieve Salter: Also alle zusammen, vergesst nicht, dass ihr auf HumanCondition.com alles über dieses fabelhafte, weltrettende bahnbrechende Verständnis des menschlichen Zustands erfahren könnt!!

Und ich möchte erwähnen, dass das, was ihr dort auf dieses Interview folgend sehen werdet, eine Serie von Videos ist, die das, was in dem Interview umrissen wurde, näher ausführt – also wird es einige Wiederholungen geben, doch die Konzepte detaillierter durchzugehen, hilft dabei sie zu verstehen und aufzunehmen.

Im ersten dieser Videos warnt Jeremy uns vor unserer historischen Angst vor dem Thema des menschlichen Zustands und dem daraus resultierenden „Taubheitseffekt“, den das Lesen bzw. Hören über den menschlichen Zustand anfänglich häufig verursacht.

 

Besucht www.humancondition.com, um den Film dieses Interviews

und die Serie von Einleitungsvideos anzusehen, auf die Genevieve hingewiesen hat.